Freitag, 20. Dezember 2013

Gedankengut #1 Wie siehst du denn schon wieder aus?

Erreicht ein Mädchen ein gewisses Alter in ihrem Leben, so fängt sie an sich für allerlei Dinge zu begeistern. Jungs, Tratsch, Fashion und auch Make-Up. So ist das nun einmal. Das Mädchen wächst heran, greift zum allseits verschrienen blauen Lidschatten, zum viel zu pinken/roten Lippenstift und der Kajal macht jedem Pandabären Konkurrenz.
Viele Mädchen hören mit Anfang/Mitte Zwanzig wieder damit auf, widmen sich brauen Lidschatten, hellen Nudetönen auf den Lippen und der Kajal gleicht sich plötzlich dem Lidschatten an in der Farbe.
Und beäugen die Damen kritisch die das nicht tun. Die sich gerne auffällig schminken.
In den letzten Wochen/Monaten las ich immer wieder davon, dass ein bestimmtes Augen-Make-up "alltagstauglich" wäre oder das dieser oder jener Lippenstift "anständig herüber kommt". Und dabei fragte ich mich warum.
Warum soll ich mich alltagstauglich schminken? Und was genau wäre das? Braunes unauffälliges Augen-Make-up zu rosé Lippen? Ja kein Blush auf den Wangen und der Highligher ja bitte auch nur sparsam genutzt?
 Warum stören denn die Meisten es, wenn ich pinke Lippen trage zu dunkel geschminkten Augen? Oder wenn man meinen Blush auf meinen Wangen erkennen kann?
"Das ist nicht alltagstauglich." Da schon wieder.
Heute stand ich vor dem Spiegel, einen wichtigen Termin in meinem Tagesablauf gesetzt und blickte mir in mein Gesicht. Ich sah meine Sommersprossen, meine blauen Haare. Nicht alltagstauglich sagt man ständig dazu.
"Kind, wer will dich denn so einstellen? Was wird der Chef dazu sagen?"
Ja, was wird er dazu sagen? Ich arbeite schlechter mit blauen Haaren, mit pinken Lippen und meine Kollegen könnten bei meinen dunklen Augen denken, ich würde ihnen Nachts auflauern, um ihre Katze um Mitternacht zu opfern?
Als ich vierzehn Jahre alt geworden war, fing ich an mich zu schminken. Jahrelang hab ich es bei meiner Schwester gesehen und sollte es nun selber machen. Mein blauer Lidschatten war nicht alltagstauglich, die dunklen Lippen noch weniger. Und meine blonde Mähne färbte ich mir in einem Anfall aus Trotz Schwarz, passend zu meinen Gothic-Klamotten.
Ich war nicht alltagstauglich, wollte es auch nie sein. Warum auch?
Jedesmal wenn ich mich auf der Straße umsehe, erblicke ich Frauen und Mädchen. Braune Masse in brauner Masse. Die selben Haarfarben, Lippenstifte, Lidschatten. Kein Kajal, nur Wimperntusche.
"Kind, schau dir mal die Anderen an. So läuft niemand rum." Hab ich doch. Und ich sah keinen Unterschied. Bei Douglas in den Fialen sehen sie aus wie geklont, in den Schulen alle gleich. Wehe du trägt dort Eyeliner, dann bist du wieder leicht zu haben. Roter Lippenstift geht gar nicht.
Was früher bei den Römern und Ägyptern als modisch und anziehend galt, war in den 40er, 50er, 70er Jahren als normal galt, ist heute überschminkt und aufgetakelt.
Kein alltagstauglich mehr.
Heute müssen Nudetöne auf die Lippen, braun-grau auf die Augen und die Haare blond, braun, rot und ja kein Schwarz. Und wehe du bist anders.
Aber so bin ich nicht. Ich greife nicht gerne zu hellen kaum sichtbaren Lippenstiften oder Braun-tönen. Keine Wohlfühlzone für mich.
Also blickte ich heute Morgen weiter in den Spiegel, schnitt mir eine Grimasse und griff nach einem Dunkellila für meine Lippen.
Gestört hat es niemanden und gestorben ist auch keiner.

"Wie siehst du denn schon wieder aus?"
"So wie ich aussehe. Mit blauen Haaren, blauen Lidschatten und roten Lippen."

Alltagstauglich bin ich nie gewesen und werde ich auch nie sein.

- Michaela



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