Sonntag, 21. Juni 2015

Gedankengut #2 Blicke

Nieten, bunte Haare, schwarze Kleidung. Spitze, Tüll, Samt. Chucks, Militärboots, Nietenstiefel. Fledermauskette, Totenköpfe, Augäpfel.
Wenn ich den Sohnemann aus dem Kindergarten abhole, falle ich auf.
Wenn ich einkaufen gehe, falle ich auf.
Wenn ich draußen auf den Kita-Bus warte, falle ich auf.
Ich falle immer auf.
Ich spüre die Blicke in meinen Rücken. Spüre, wie sie über meinen Rock gleiten, an dem Nieten und Ketten hängen. Wie sie über das Samtoberteil gleiten, kurz bei meinem Schmuck Halt machen und schließlich an meinem Haarschmuck verweilen. Ich höre das Getuschel hinter meinem Rücken und die Sätze, die sie mir nach rufen.
Ich trage mein Lieblingsoutfit. Die Sorte, wo ich mich tierisch wohl drin fühle und ich weiß, dass bin ich. Ein langer Rock, eine Lederleggings unter (Wo war nochmal der Sommer?), mein Oberteil mit Samt und Fledermausärmeln. Dazu Nietenschmuck und Nietenhaarreif in meinen Haaren. Nur meine Hausschuhe passen nicht dazu. Aber das ist okay, ich warte ja nur vor der Tür auf dem Bus.
Ich wohne dicht an einem der Brennpunkte meiner Stadt. Etwa 10 Meter Luftlinie trennen uns. Ich falle hier auf. Keiner läuft hier so herum. Selten begegne ich einem Punk.
Die meisten hier hüllen sich in Jogginghosen und bauchfreien Tops. Den Herren möchte ich die Hosen immer gerne nach oben ziehen.
Im Kindergarten nicht anders. Der Sohnemann geht in einen Kindergarten weiter weg. Dort bin ich die jüngste Mutter. Selbst die Erzieher sind alle älter als ich. Gehe ich das Kind abholen, werde ich von Müttern und Erziehern angestarrt. Selbst wenn ich unauffällig gekleidet bin. Meine Jugend und meine Haare stechen raus.
Für die Kinder bin ich immer der Hit. Mit großen Augen bestaunen sie mich und hole ich den Sohnemann aus der Kita ab, so bin ich umringt von Kindern, die mir Fragen stellen oder Dinge erzählen wollen.
Und ich mag das. Ich mag die Neugierde und die Offenheit der Kinder. Und traurig frage ich mich manchmal:
Wann verliert man diese Offenheit fremden Dingen gegenüber und wann begingen wir sie zu kritisieren?"

- Michaela


Quelle Pinterest


Kommentare:

  1. Ich finde, du solltest mehr bloggen.

    Grüße, Kristina :)

    www.Twitter.com/KralovaEU

    AntwortenLöschen
  2. Toller Text =) Ich habe manchmal das Gefühl, heutzutage ist alles anstarrenswert, was nicht Jeans-und-T-Shirt ist... mir scheint das zum Großteil eine Erziehungssache zu sein, in meiner Schule sind teilweise schon die Kleinsten ganz schön arrogant und wenn man sich dann die Geschwister oder die Eltern anguckt, kriegt man eine ziemlich gute Vorstellung, woher das kommt =/ Ich habe z.B. eine vierte Klasse, deren Eltern einen ziemlichen Aufstand gemacht haben, weil ich zum Sportunterricht keine Sportkleidung getragen habe. Mein Grund dafür war, dass die Schüler untereinander so zerstritten und brutal sind, dass ich sie nichtmal die 5min alleine lassen möchte, die es braucht, um mich umzuziehen.... aber nein, sollen sie sich doch die Köpfe einschlagen! Hauptsache, ich hab ein Adidas-Logo auf meinem T-Shirt -.-

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Genau dasselbe habe ich auch empfunden.
      Trägst du keine Markenklamotten, wirst du gemoppt und angestarrt.
      Trägst du 2 Pfund zuviel auf den Rippen, wirst du gemoppt und angestarrt.
      Trägst du dieses und jenes nicht, weißt du über dies und das nichts, kannst du-, willst du-, magst du nicht... Nun ja :).
      Sportklamotten habe ich immer gehasst zu tragen x.X Ich bin eher der Rocktyp. Jogginghosen sind mir heute noch ein Graus und werden nur als Schlafmaterial (oder Gammelmaterial ☻) geduldet. Ich HASSE es, wenn man mich in Jogginghosen sieht. Das war schon damals so.

      Löschen

Bitte beachtet die Netiquette. Beleidigungen gegen meine Person oder gegen Dritte werden nicht freigeschaltet und sofort gelöscht. Danke :).