Mittwoch, 22. Juli 2015

Ein Brief an das Sommerkind

Hallo Du.

Hallo Du, du mein Weltenträumer. Mein Mäuschen. Mein Träumerle. Mein Luftschlossgucker. Mein Baumeister. Mein Sandkastenkind. Mein Baby. Mein Räuber. Meine Leseratte. Mein Herzensdieb. Mein Großer. Mein Kleiner.

Hallo Du, mein Kind.

Gerade liegst du neben mir, tief und fest schlafend. Vor zehn Minuten habe ich dich durch die Wohnung gescheucht. Mit dir Pirat und Dieb gespielt. Mit dir in deinem Ritterzelt gekuschelt und nach Monstern gelauscht. Mit dir Legoschlachten geschlagen und deine Kuscheltiere verarztet. Ich habe mit dir gerade gekuschelt, gespielt, gelacht, getobt, gelebt. Nun bist du alle. Fix und fertig und schläfst den Schlaf der Gerechten. Und ich sitze hier neben dir und betrachtete dich stolz.
Du bist so groß geworden. So selbstständig. Du tust viele Dinge mit einer solchen Selbstverständlichkeit, die mich jedes Mal auf das Neue beeindruckt. Dir fällt es leicht auf Menschen zuzugehen. Dir fällt es leicht Freundschaften zu schließen. Du liebst es deine Freunde zu treffen, mit ihnen Stundenlang zu spielen. Du bist stolz und mutig. Du erzählst mir Geschichten von deinen Abenteuern. Erzählst mir von Monstern und Geistern. Von Rittern, Bösewichtern und Prinzessinnen. Du liebst es auf den Spielplatz zu gehen und bist jedes Mal enttäuscht, wenn es regnet. Du malst die tollsten Kunstwerke und ich bewundere jedes einzelne von ihnen.
Du gehst alleine auf Toilette, ziehst dich alleine an, machst dir sogar schon dein Brot selber. Und mir... Mir geht das alles ein wenig zu schnell. Du bist doch noch mein Baby. Du bist mein kleines süßes Kind und ich will dir doch helfen. Ich will dir dein Leben leichter machen, aber du bist dann dickköpfig. Du sagst zu mir "Kann ich alleine" oder "ich machen!" und probierst es solange, bis du es schaffst. Und wenn du für einen Knopf zehn Minuten brauchst. Du willst dich durchsetzen, deine Meinung teilen und auch mal, das es nach deiner Nase geht. Und ich finde es grandios. Ich finde es toll, wie du versuchst dich durchzusetzen. Dein Handicap macht es dir nicht immer leicht, weil dich häufig die Anderen nicht verstehen. Aber du gibst nicht auf. Du wiederholst es so lange, bis auch der Letzte dich verstanden hat und erst dann bist du zufrieden.
Du und ein Handicap, ihr beide könnt langsam miteinander. Du lernst dich auszudrücken, dich verstehen zu geben und langsam, ganz langsam tut man das auch.

Ich bin so stolz auf dich. Auf alles was du tust. Auf jeden einzelnen Streich, auf jedes einzelne Lachen, jede Träne. Weil ich weiß, dass es langer Weg für uns war und ich weiß, dass wir den letzten Rest auch noch zusammen gehen können.
Und ich freue mich schon sehr auf den letzten Rest.

In Liebe,

deine Mama

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