Montag, 6. Juli 2015

Trichotillomanie. Eine Krankheit mit vielen Gesichtern

Neulich berichtete ich zu der Impulsstörung Trichotillomanie und schrieb ein wenig über meine eigene Kindheit. Heute mag ich euch ein wenig über mehr über meinen Umgang mit der Trichotillomanie berichten.

Häufig werde skeptisch angestarrt, wenn ich das Thema Trichotillomanie anspreche. Meistens wird nicht verstanden, worum es sich dabei handelt und generell werde ich gefragt, wie es kommt das ich lange Haare und Trichotillomanie habe.
Ich denke, dass die meisten Menschen (sobald man sie über Trichotillomanie aufgeklärt hat) ein bestimmtes Bild von der Krankheit im Kopf haben. Sie stellen sich vor, dass ich keine Haare mehr haben müsste und ständig an meinen Haaren zerren und reißen müsste. Dabei vergessen sie aber, dass es unterschiedliche Stadien und Abstufungen in jeder Krankheit gibt. Vergleichbar ist es mit einer Erkältung. Eine Erkältung kann ein kleiner Schnupfen mit verstopfter Nase sein oder auch eine Erkältung mit Fieber, Gliederschmerzen und Erbrechen. Sie fällt je nach Situation unterschiedlich aus, und so ist es auch mit der Trichotillomanie.
Es gibt Momente in meinem Leben, da kann ich gut mit meiner Krankheit und meinem Stresslevel leben. Das sind die Momente in meinem Leben, wo ich mich selber gut kontrollieren kann. Diese Momente sind gut für mich, weil ich mich selber gut und ruhig fühle. Diese Momente sind nicht häufig in meinem Leben vertreten. Zu einem weil ich mich selber häufig innerlich unruhig fühle, zum Anderen weil ich ein Realist bin und ich weiß, dass mein Leben sich jede Minute ändern kann. 

Und dann gibt es Momente in meinem Leben, wo es nicht so gut läuft. Leider sind diese Momente recht häufig in meinem Leben. Ich habe mein Sorgenkind, meine Baustellen und ich bin leider viel zu ehrgeizig mit meinem Leben. Ein häufiges Problem.
Für mich ist die Trichotillomanie nicht nur das Haare rausreißen. Die Trichotillomanie zeigt sich auf vielen Ebenen. Ich schrieb in meinem letzten Post zu der Krankheit, dass meine Nerven in der Kopfhaut jucken, sodass sie mich dazu reizen meine Haare heraus zu ziehen. Es gibt aber noch mehr Formen. Bin ich angespannt, gestresst oder genervt berühre ich meine Haare häufig. Sehr häufig. Ich spiele mit ihnen, wickel eine Strähne ständig um meinen Finger. Ich berühre mit den Spitzen meinen Mund.
Ihr seht, es gibt unterschiedliche Formen. Das Rausreißen der Haare passiert mir nur in Extremsituationen. Dann wenn mein Leben komplett daneben läuft, wenn mich etwas sehr beschäftigt oder ich in meinem Kopf die Probleme wälze (Ich bin und bleibe ein Kopfmensch. Schon als Kind zerbrach ich mir den Kopf darüber, was ich gesagt habe oder wie ich auf andere Menschen wirke.).
Ich versuche es meinen Mitmenschen zu erklären, ihnen nahe zu legen, dass Trichotillomanie nicht nur aus Haarereißen besteht, sondern dass es eine Krankheit mit unterschiedlichen Gesichtern und Aspekten ist.
Und manchmal... glaube ich, das sie es verstehen. Das ich lange Haare UND Trichotillomanie haben kann.

- Michaela

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